Gesundheit & Soziales

Tarifrunde 2017 im Kirchlichen Tarifvertrag Diakonie

Tarifrunde 2017 im Kirchlichen Tarifvertrag Diakonie

25. November: Auftaktverhandlungen.
Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels und sich andeutenden Abwanderungstendenzen in den Belegschaften zu besser vergüteten Arbeitsplätzen (z.B. im TVÖD) bietet der VKDA eine „Tarifsteigerung“ von 1,8% ab 1.1.2017 und weiteren 1,8% ab 1.1.2018 für Fachkräfte. Die Kolleginnen und Kollegen der E1 bis E3 sollen zum 1.1.18 sogar nur 0,4% erhalten. Gleichzeitig soll der Arbeitnehmeranteil für die EZVK bzw. VBL um 0,8% bzw. 0,4% steigen.

Mit dem „Angebot“ verpasst der VKDA die große Chance sich in der aktuellen Tarifrunde den marktüblichen Tarifen spürbar anzunähern und stellt sich im Konkurrenzkampf um Fachkräfte selbst ins Abseits. Zusätzlich wird es für den VKDA schwer werden, langjährigen Kolleginnen und Kollegen in den KTD-Betrieben eine Perspektive zu bieten, denn nach 12 Jahren Betriebszugehörigkeit und dem Erreichen der Stufe 4 ist im KTD keine weitere Stufensteigerung vorgesehen. Deshalb fordert ver.di zum wiederholten Mal eine 5. Stufe in der KTD-Entgelttabelle. Der VKDA kommentiert, dass man sich auf Arbeitgeberseite weitgehend einig sei, dass von den ArbeitnehmerInnen nach dem Erreichen der 4. Stufe keine Leistungssteigerung mehr zu erwarten sei. Dieser Kommentar verwundert und verärgert uns, schließlich wäre eine Arbeitnehmerin, die mit 20 Jahren im KTD-Bereich angefangen hat, erst 32 Jahre alt wenn sie die 4. Stufe erreicht und erst 38 Jahre wenn sie die geforderte 5. Stufe erreichen würde. Das ist nicht nur altersdiskriminierend, sondern widerspricht dem Prinzip, dass das Stufensystem im KTD unabhängig von Leistung zu gewähren ist. Es honoriert den Erfahrungsschatz langjähriger Kolleginnen und Kollegen.

In „normalen“ Tarifverhandlungen hätte ver.di jetzt zu Warnstreiks aufgerufen um zu zeigen, „wir sind viele und mehr wert“. Doch der KTD ist anders als normale Tarifrunden, hier gibt es eine langfristige Friedenspflicht, die frühestens 2018 beendet sein wird. Vielleicht sieht der VKDA in den aktuellen Verhandlungen die letzte Möglichkeit noch mal die Gehälter zu drücken, was vor dem oben beschriebenen Hintergrund jedoch schnell zum Eigentor werden kann.

Gute Tarifabschlüsse sind eine Machtfrage. Das haben die Streiks im Sozial- und Erziehungsdienst  des TVÖD gezeigt. Es wird Zeit, dass ver.di auch im KTD mächtiger wird, um Arbeitgeber„angebote“, wie die aktuellen im KTD, angemessen beantworten zu können. Die Zeiten der automatischen Übernahmen der Tarifabschlüsse aus dem öffentlichen Dienst sind schon lange vorbei. Für Verbesserungen in unserem Tarifvertrag ist jetzt unsere eigene Aktivität gefragt! Das sollte allen, mit den entsprechenden Konsequenzen, bewusst sein. Die aktiven ver.di-Mitglieder wollen nicht mehr von anderen Tarifverträgen abgehängt sein, wir wollen den KTD zum besten Tarif im Sozialen Bereich machen. Dafür brauchen wir mehr Mitglieder! Spätestens 2018 müssen wir soweit aufgestellt sein, den nötigen Druck aufbauen zu können und mindestens jede/r Zweite im Betrieb sollte dafür in der Gewerkschaft sein. Klingt utopisch? Nicht mit Dir!