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Dramatische Arbeitssituation

UKSH

Dramatische Arbeitssituation

26.01.2015

Dramatische Arbeitssituation auf den betroffenen Stationen seit langer Zeit bekannt - ver.di fordert Konsequenzen am UKSH

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di Nord) bedauert die Todesfälle im Universitätsklinikum Kiel (UK-SH) zutiefst und fordert die Klinikleitung und die Landespolitik auf, endlich Konsequenzen zu ziehen.

Die tragischen Umstände, die nunmehr Menschenleben gekostet haben, sind aus Sicht von ver.di Nord aber nicht so überraschend wie jetzt von der Klinikleitung getan wird.

Alleine im Jahr 2012 wurden vom Pflegepersonal 1868 und im Jahr 2013 nochmals 1864 Gefährdungsanzeigen aus dem Pflegebereich gestellt. Das sind bundesweite Spitzenwerte.

In Kiel kamen die meisten Überlastungs- und Gefährdungsanzeigen aus den Intensivstationen der 1. Medizin - das sind genau jene Stationen, von denen die Verschleppung des multiresistenten Bakteriums seinen Ausgang genommen hat.

Auf den Personalversammlungen am Campus Kiel 2014 und zuletzt am 12.01.2015 wurde die dramatische Arbeitsverdichtung - gerade auf den betroffenen Intensivstationen der 1. Medizin, Campus Kiel - vorgetragen und thematisiert. Es wurde immer wieder von Gefährdungsanzeigen berichtet, die nicht sachgemäß bearbeitet und weitergeleitet wurden.

„Diese unfassbaren traurigen Vorfälle am UK SH sind bestürzend. Wenn Keime übertragen werden, sind die hygienischen Vorschriften nicht eingehalten worden. Die Gründe hierfür sind bekannt. Personalmangel ist Zeitmangel. Zeitmangel führt zu Verstößen gegen die hygienischen Vorschriften. Diese waren dem Vorstand und dem verantwortlichen Pflegemanagement durch unzählige Gefährdungsanzeigen von Pflegekräften lange bekannt. Leider wurden diese ignoriert und alles dem Sparkurs am UK SH untergeordnet", so Steffen Kühhirt, Landesfachbereichsleiter Gesundheit von ver.di Nord.

Aus Sicht der Gewerkschaft muss es sofort Konsequenzen am UK SH geben, und der Sparkurs auf dem Rücken von Beschäftigten und Patienten muss sofort beendet werden. Die zukünftigen Jahre sehen einen weiteren Personalabbau vor. Das ist unverantwortlich, denn das UK SH braucht dringend mehr qualifiziertes Personal. Das gilt nicht nur für die Pflege, sondern dringend auch für die Servicebereiche, wie dem Reinigungspersonal.

Die Beschäftigten des Reinigungspersonals verdienen am UK SH den Mindestlohn für Gebäudereiniger.

„Die Ausgliederung der Reinigungs- und Servicebereiche wurde wegen Kostengründen vorgenommen. Mit dem einmaligen finanziellen Effekt des Verkaufes 49% der Anteile der UK SH-Service-GmbH an einen damaligen privaten Anbieter, wurde 2010 die wirtschaftliche "schwarze Null" am UK SH errechnet - auf Kosten der Standards“, so Kühhirt weiter.

Konkrete Folgen des Sparkurses werden nun deutlich.

Beispiel Intensivmedizin:
So stehen die Betten in den genannten Intensivstationen viel zu nah beieinander oder eben zu viele Betten in zu kleinen Räumen – allein aus wirtschaftlichen Gründen. Wenn Betten nicht mal 2 Meter Abstand voneinander haben, dann ist eine Übertragung von Keimen nicht auszuschließen.

Beispiel Arbeitsalltag:
Die Pflegebeschäftigten benötigen circa 1-2 Minuten für das Desinfizieren ihrer Hände, was dringend sein muss. Wenn eine Pflegekraft pro Schicht dreimal Kontakt zu 25 Patienten hat, dann MUSS sie vor und nach dem Patientenkontakt ihre Hände desinfizieren. Bei einer vorschriftsmäßig durchgeführten Desinfektion entspricht das einer Mindestzeit von circa 2 Stunden. Dazu kommen noch Desinfektionen "zwischendurch", also vor und nach Berührung von Materialien, Medikamentenstellung, dem Zubereiten von Infusionen.

„Hier wird der dramatische Personalmangel überdeutlich. Es ist egal, ob ein Keim bekannt ist oder nicht. Wenn die Grundhygiene eingehalten werden kann, bekommt kein Patient einen Keim eines anderen Patienten. Es spielt auch keine Rolle ob der Keim multiresistent ist oder nicht. Alle Keime sollten durch vorschriftsmäßige Hygienevorschriften abgetötet werden. Das beginnt mit der Händedesinfektion und dafür braucht es Zeit – also Personal", fordert Kühhirt weiter.


Hinweis für die Redaktionen:

Für Rückfragen steht Steffen Kühhirt unter der Rufnummer 0170-5749 719 Zur Verfügung.